Mutmacher für die nächsten Aufgaben
VfR Mannheim hielt bei der 0:3 (0:1)-Niederlage im Pokalfinale gegen den SV Waldhof Mannheim über weite Strecken sehr gut dagegen.
(mk) Mit aufrechtem Gang marschierten die Spieler des VfR Mannheim nach der 0:3 (0:1)-Niederlage im Finale des bfv-Rothaus-Pokals zu der sehr gut gefüllten Westtribüne im Carl-Benz-Stadion. Die Reaktion des blau-weiß-roten Anhangs fiel positiv aus. Warmer und anerkennender Applaus goutierte den couragierten Auftritt der Mannschaft gegen den Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Auch wenn der große Traum von der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals platzte, so durften die Rasenspieler trotzdem Selbstvertrauen für die anstehenden Aufgaben in der Aufstiegsrelegation tanken. Leistungstechnisch konnte der Oberligist durchaus die eine oder andere Duftmarke setzen.
Vor knapp 17.000 Zuschauern starteten die Blau-Weiß-Roten forsch und provozierten den SVW früh zu einem Ballverlust. Umut Sentürks Abschluss aus knapp 20 Metern segelte zwar über die Latte, ließ aber auf einen spannenden Fußballvormittag hoffen (2.). „Wir kamen sehr gut in das Spiel rein und haben gezeigt, dass wir hier etwas holen wollen“, lobte der VfR-Coach den verheißungsvollen Auftakt seiner Mannschaft.
Der favorisierte SVW fand nach den unruhigen Auftaktsekunden jedoch sehr schnell in die Partie. Luc Holtz‘ Mannschaft wirkte ballsicher, agierte griffig in den Zweikämpfen und kombinierte sich des Öfteren in den blau-weiß-roten Sechzehner. Folgerichtig entstanden erste blau-schwarze Torgelegenheiten. Nach zehn Minuten musste David Nreca-Bisinger zunächst einen Abschluss Samuel Abifades aus verheißungsvoller Position entschärfen, ehe Terrence Boyd die anschließende Ecke haarscharf am langen Pfosten vorbeiköpfte (10.). Der ehemalige US-amerikanische Nationalspieler erwies sich auch in den darauffolgenden Minuten als Dreh- und Angelpunkt des Waldhöfer Spiels. Boyd setzte nicht nur seinen Körper geschickt ein, sondern verteilte auch die Bälle klug. Nach knapp 20 Minuten musste der VfR ebenfalls mit den hohen Abschlussqualitäten des Mittelstürmers bittere Erfahrungen machen. Humorlos hämmerte der im Strafraum ungedeckte Boyd nach einer Körperdrehung den Ball in die Maschen und brachte somit den Favoriten in Front (19.). Die Führung des SVW kündigte sich zu diesem Zeitpunkt bereits an. Der VfR verteidigte zwar mit maximaler Leidenschaft, nichtsdestotrotz fand die Partie aufgrund des blau-schwarzen Pressings über weite Strecken in der blau-weiß-roten Hälfte statt. „Es war sehr schwer, diese Wucht zu verteidigen“, merkte Abele an. Ein Kaliber wie den SV Waldhof Mannheim ist seine Mannschaft in der Oberliga nicht gewohnt. „Wir mussten sehr viel investieren, passen einmal nicht auf und dann schweißt Terrence Boyd den Ball mit links in den Winkel rein“, verwies er ebenfalls auf die hohe individuelle Klasse der Waldhof-Spieler.
Nach dem 0:1 verflachte die Partie ein wenig. Der SVW kontrollierte das Geschehen, ohne Nreca-Bisingers Gehäuse unter Dauerbeschuss zu nehmen. Gelegentlich schaffte es der Favorit jedoch, sich in den VfR-Strafraum zu kombinieren und den blau-weiß-roten Schlussmann zu prüfen. Sowohl Abifade (26., 41.) als auch Diego Michel (38.) hätten für Waldhof erhöhen können, doch in ihren Abschlüssen fehlten sowohl Wucht als auch Präzision. Darüber hinaus fungierte Nreca-Bisinger als sicherer Rückhalt.
Gegen Ende der ersten Halbzeit konnte sich der VfR seinerseits gelegentlich in Richtung Waldhöfer Tor vorarbeiten. Kurz vor dem Pausenpfiff verbuchte der Oberligist zwei aufeinanderfolgende Ecken sowie einen Einwurf aus aussichtsreicher Position für sich. Auch wenn der Waldhof bis zu diesem Zeitpunkt einen seriösen Auftritt hinlegte, so war der VfR keineswegs chancenlos unterlegen. Häufig fehlte der finale Pass, um hochkarätige Großchancen zu kreieren. Dementsprechend herrschte beim VfR-Anhang Zuversicht bezüglich der zweiten 45 Minuten. „Wir haben uns in der Halbzeit Mut zugesprochen“, erklärte Abele. Das Ziel: Geradlinigeren Fußball zu spielen und häufiger in den Sechzehner des SVW einzudringen.
Dieses Vorhaben glückte. Nach Wiederanpfiff schafften es die Blau-Weiß-Roten, sich durch längere Ballbesitzphasen in Richtung Waldhöfer Tor vorzuarbeiten. Sowohl über den rechten als auch über den linken Flügel kreierte der Oberligist Gefahrenmomente und ließ die Abwehr des Favoriten auf Hochtouren arbeiten. Wie bereits gegen Ende der ersten Halbzeit fehlte jedoch auch im zweiten Durchgang der finale Pass. Als Paradebeispiel lässt sich eine scharfe Hereingabe Kevin Krügers anführen, die Waldhofs Verteidigung gerade noch so zur Ecke klären konnte (53.). Den 17.000 Zuschauern offenbarte sich nun aber ein offener Schlagabtausch mit spielfreudigen Rasenspielern, denen schlicht und ergreifend der berühmte letzte Tick zum Glück fehlte. Da entweder der finale Pass nicht ankam oder irgendein Waldhöfer Fuß den blau-weiß-roten Abschluss blockte, fiel der Ausgleich nicht.
Mitten in einer starken blau-weiß-roten Phase folgte der Nackenschlag für den Oberligisten. Louvis Bierschenk verwertete eine Rückgabe seines Teamkollegen und hämmerte den Ball in die Maschen zum vorentscheidenden 0:2 (70.). 20 Minuten vor Ende einen Zwei-Tore-Rückstand gegen einen zwei Ligen höher spielenden Kontrahenten bei brütender Hitze aufzuholen, glich einer unrealistischen Mammutaufgabe. Der VfR gab sich dennoch nicht geschlagen und agierte weiterhin als ebenbürtiger Gegner. Anstelle des Ehrentreffers fiel nach einem Konter jedoch das 0:3 für den SVW. Julian Rieckmann scheiterte im Eins-gegen-Eins zunächst an Nreca-Bisinger, erzielte im Nachsetzen jedoch den dritten Waldhöfer Treffer des Tages. „Alles in allem war es ein verdienter Sieg“, erkannte Abele die Leistung des SV Waldhof an.
Steno:
Aufstellung VfR Mannheim: Nreca-Bisinger – Stellwagen (87. Kadner), Akoto, Kuhn, Sentürk, Marx, Krüger (81. Veselaj), Paraschiv (69. Seifert), Esswein, Pander (88. C. Becker), Berko (74. Thum)
Aufstellung SV Waldhof Mannheim: Nijhuis – Klünter, Sietan (74. Sechelmann), Ogbemudia, Ba (87. Yigit) – Thalhammer, Bierschenk – Michel (81. Muteba N’Tumba), Thill (58. Ferati), Abifade (74. Rieckmann) – Boyd
Tore: 0:1 Boyd (19.) 0:2 Bierschenk (70.) 0:3 Rieckmann (85.)
Schiedsrichter: Niklas Diehm
Zuschauer: 16.951
Fotos: Edmund Nohe




































































































